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Diskuswurf

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Physiologische Bedingtheiten

Abhängigkeit der Muskelarbeit von der Vordehnung

In der Längsrichtung jeder Muskelfaser sind neben kontraktilen auch elastische Elemente hintereinandergeschaltet; diese bewirken, dass die im kontraktilen Muskelsystem erzeugte Spannung elastisch auf die Muskelfaseransätze übertragen wird. Deshalb hängt diese Spannung nicht nur von der Aktivierungsstärke der kontraktilen Elemente ab, sondern auch von der Dehnbarkeit der serienelastischen Strukturen. Deren Existenz ist durch das funktionelle Verhalten des Muskels bei der Verkürzung bewiesen (STEGEMANN 1971).

Ein für unsere Betrachtungsweise wichtiger Beweis ist die Abhängigkeit des isometrischen Spannungsentwicklung des Muskels von seinem jeweiligen Dehnungszustand: Reizt man einen Skelettmuskel in isometrischer Anordnung, so nimmt mit zunehmender Vordehnung die bei der Kontraktion entwickelte Spannung bis zu einem Maximum zu.

Verantwortlich für dieses Verhalten sind die serienelastischen Elemente, die mit zunehmender Vordehnung die aktiv entwickelte Spannung der kontraktilen Elemente immer besser auf die Muskelansätze übertragen.
Je größer die mechanische Vordehnung der Muskelfaser, desto mehr Kraft kann sie unter isometrischen Kontraktionsbedingungen entwickeln. Die für jede Zuckung bei gleicher Erregungsauslösung geleitete mechanische Arbeit ist also von der Vordehnung des Muskels abhängig (STEGEMANN 1975).
Unsere Skelettmuskeln sind nun in ihrer Normallage zwischen ihren Insertionstellen nicht schlaff, sondern gedehnt eingespannt; sie besitzen also eine gewisse Grundspannung, den sogenannten Ruhetonus. Man darf annehmen, dass die meisten Muskeln bis rund zur Hälfte ihrer maximalen möglichen Dehnung bei Ruhelage vorgedehnt sind; das bedeutet, dass unsere Muskeln normalerweise nahe ihrem Maximum arbeiten. Die Erhaltung dieser Vordehnung durch spezielle Dehnübungen muss deshalb gefordert werden, weil es z. B. durch einseitiges Krafttraining zu einer Veränderung des Ruhetonus und damit zu einer Dauerverkürzung der Muskulatur kommen kann: Die optimale Kontraktion des Muskels wäre nicht mehr möglich!

Darüber hinaus muss eine Vergrößerung der Muskeldehnbarkeit erzielt werden, weil bei einer großen Vordehnung die Antagonisten die Bewegungen in den Gelenken abbremsen und dabei die kinetische Energie des gebremsten Gliedes in potentielle Energie der elastischen Muskeldeformation umwandeln, die bei Beginn der aktiven Bewegung zusätzlich frei wird (DONSKOI 1975).

Anatomische Bedingtheiten

Die optimale Schwingungsfreiheit der Gelenke ist eine Funktion ihrer Bandapparate und der Dehnungsfähigkeit der über sie hinwegziehenden Muskelgruppen.

Die Muskulatur des Menschen setzt sich aus ca. 600 Muskeln unterschiedlicher Gestalt und Größe zusammen. Und es gibt keine Bewegung, die nur von einem einzelnen Muskel ausgeführt würde. Immer schließen sich mehrere Muskeln und Muskelgruppen - vor allem bei den Ganzkörperbewegungen des Sportlers - zu gemeinsamem Handeln zusammen. Die Gesamtheit der bei einer Bewegung zusammenwirkenden Muskelgruppen bezeichnet man als Muskelschlingen oder -kette (TITTEL 1963).

Da sich Muskelschlingen je nach Bewegungsablauf verändern, wird die Aufgabe des einzelnen Muskels von der Funktion der jeweiligen Muskelgruppenverbindung bestimmt. Wir dürfen deshalb die meisten Muskeln nicht nur nach der Wirkung beurteilen, die sie auf ein Gelenk, das sie überspringen, ausüben, sondern wir müssen die Gesamtheit der Muskeln sehen, die in einer Kette liegen und über zahlreiche Gelenke hinwegziehen. So werden bei Kontraktion eines Muskels über die Kettenglieder entfernt voneinanderliegende Körperteile beeinflusst. Eine solche große Muskelsehnehnkette zieht z. B. vom Arm über den breitesten Rückenmuskel in die fascia thoracolumbi. Hier kreuzen die vom rechten Arm kommenden Fasern auf die linke Seite hinüber und setzten sich im großen Gesäßmuskel fort, der in die linke Oberschenkelfascie einstrahlt. Diese heftet sich am seitlichen Gelenkknochen des Schienbeins an und geht überall in die Unterschenkelfascie über, die zum Fuß zieht. Eine ,,kinematische Kette" verbindet Arm und Bein und beide Ketten überkreuzen sich noch dicht hinter dem Körperschwerpunkt.

Auch auf der Vorderseite des Menschen verläuft eine solche Muskelkette, die vom rechten Arm über den großen Brustmuskel führt und an die sich der rechte äußere schräge Bauchmuskel, die Bauchapaneurose und der linke innere schräge Bauchmuskel anschließt, der am Leistenband und am Darmbeinkamm innerviert; dieser dient wieder der fascia lata und dem großen Streckmuskel des Unterschenkels zum Ansatz.
Beim Diskuswurf kommt den Muskelschlingen der Brust- und Bauchwand eine große Bedeutung zu, da die Fähigkeit der Verwringung zwischen Schulter- und Beckengürtel mit die Funktion für den optimalen Beschleunigungsweg des Wurfgerätes bildet.
Da gerade die häufig übertriebene Kraftarbeit der Werfer durch das starke Massenwachstum der Muskulatur zu einer Unbeweglichkeit der Gelenke und einem Verlust an Muskelelastizität führen kann, sind gerade hier Dehnübungen zur Erhöhung der Verwringungsfähigkeit der Wirbelsäule und der schrägen Bauchmuskeln wichtig.
Mitentscheidend für die Leistung beim Diskuswurf ist die spezielle Dehnfähigkeit der schrägen Bauchmuskulatur und eine optimale Beweglichkeit im Hüft- und Schultergelenk.3

 

  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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